Visumsverlägerung und unfreiwillige Verlängerung meines Aufenthalts in Kuta

Da ich mich fälschlicherweise darauf verlassen hatte, was mir die gute Mitarbeiterin am Flughafen gesagt hatte, dass man nur kurz ins imigrasi (Immigration office) gehen muss, einen Stempel für die Verlängerung des Visums erhält und wieder gehen darf, saß ich nun also in Kuta fest. Beziehungsweise auf Lombok. Doch Kuta war die attraktivste Wohnmöglichkeit, da Senggigi mich schon zu Tode gelangweilt hatte und Mataram keine wirklich schöne Wohnstätte ist. Da ich das mit dem komplizierteren Verfahren für die Visumsverlängerung erst Freitagnachmittag richtig herausgefunden hatte, musste ich bis Montag warten, um die ersten Schritte zu gehen. Kuta und Mataram liegen knapp 50 km auseinander, was auf einer deutschen Straße mit einem funktionstüchtigen Auto jetzt nicht unbedingt eine beeindruckende Entfernung darstellt, auf indonesischen Straßen mit einem geliehenen Roller, machte mir das ganze schon mehr Sorgen. Aber als ich hörte, dass die Straßen für indonesische Verhältnisse sehr gut sein sollten, entschied ich mich dafür, diesen Weg zu gehen. Da ich Mataram ja schon auf unserer missglückten Independece day Tour kennengelernt hatte, suchte ich mir andere Ziele in der Mitte lomboks aus, die ich mit meinem Pflichtprogramm verbinden konnte. Doch zunächst das Pflichtprogramm. Da ich möglichst früh auf dem imigrasi sein wollte, startete ich meine Tour zum frühstmöglichen Zeitpunkt: kurz nach Sonnenaufgang um circa 630 Uhr. Nach ein paar Stellen, an denen die Straße nicht wirklich unseren europäischen Definitionen einer Straße entspricht, kam ich auf eine Art Miniautobahn und war glücklich. Asphaltierte Straßen, kaum Verkehr und ein wirklich guter Roller. Ich war überrascht, es machte mir Spaß alleine mit dem Roller unterwegs zu sein! Dank maps.me kam ich auch in Mataram viel besser klar als gedacht. Der Verkehr ist verrückt und komplett anders als in Europa, aber wenn man erstmal drin ist, versteht man auf einmal intuitiv, wie es funktioniert und schwimmt einfach mit dem Strom. Ganz im Sinne von Dorie, beruhigte ich mich, wenn ich nervös wurde mit einem kleinen Singsang: „Einfach schwimmen…. einfach schwimmen….“. Wider meiner Erwartungen lief es auch im imigrasi gut. Kiene lange Schlangen, die Mitarbeiterin sprach gut Englisch und bis auf den Fakt, dass ich das Formular zweimal ausfüllen musste (mein blauer Kuli war nicht akzeptiert, ich musste alles nochmal in schwarz ausfüllen), lief alles reibungslos. Beim gemeinsamen beraten, wie man das Formular ausfüllen muss, traf ich zum ersten Mal auf Julie. Hier lernte ich ihren Namen noch nicht, da wir wirklich nur sehr kurz redeten, aber sie wird später noch ein paarmal meinen Weg kreuzen. Aber weiter im Tagesgeschehen: 9.15 Uhr, ich habe alles im imigrasi erledigt und habe den Rest des Tages einen Roller 🙂 Ich mache mich also auf und erkunde die Mitte Lomboks. Der Tag hatte das Motto: Tempel und Paläste. Zunächst rollerte ich weiter ins Landesinnere zu einem Tempel, der einen hinduistischen, muslimischen und christlichen Teil besitzt. Als ich ankam dachte ich zunächst maps.me hätte mich falsch geleitet. Ich war die einzige, das Kassenhäuschen verlassen, ein paar einheimische Anger (!) saßen im Tempel und angelten in der Tempelanlage. Dann kam aus dem Nichts ein Guide angehuscht. Er hieß mich willkommen und
ich bekam eine eins zu eins Führung durch den Tempel. Um ehrlich zu sein: ich war enttäuscht. Es klang spannender als es war und ich war genervt von der eins zu eins Führung, auf der ich die ganze Zeit im Fokus stand. Als ich mich höflich und nach ausreichender „Spende“ verabschiedet hatte, ginge es zu einem Wassertempel in der Nähe (diesmal zum Glück ohne Führung). Die früheren Herrscher überall Wassertempel zu ihrer Erholung. Es ist häufig eine Mischung aus Erholungsstätte und Tempelstätte, weshalb man in den Wasserpalast auch Tempel findet. Nach einem weiteren Wasserpalast mit integrierten Tempel am Stadtrrand von Medan, nahm ich noch den monkeytemple auf dem Rückweg mit. Der Tempel selbst ist nicht sehr spektakulär, aber er ist bevölkert von Makaken. Als ich dabei war sie zu fotografieren, eroberte einer von ihnen meinen Roller. Und ich Leichtsinnige hatte den Schlüssel stecken lassen! Hektisch durchsuchte der Affe meinen Roller nach etwas Essbaren. Als er nichts fand, sprang er auf den nächsten Roller woraufhin das kleine Mädchen (auch auf dem Foto) nur noch weinte. Da es langsam spät wurde, machte ich mich wieder auf den Heimweg. Ich wollte ja den Abendkurs vom Yoga nicht verpassen. Doch nachdem ich erschöpft von der Tour wieder in Kuta ankam, bekam ich nach zehn Minuten Yoga noch schlimmere Kopfschmerzen als ich schon hatte, so dass ich mich im Garten vom Yogazentrum ausruhte. Es war ein anstrengender Tag.

Nach dieser Tour, lehnte ich am nächsten Tag zurück und wir unternahmen einen organisierten Trip zu den secret Gilis.

Diese kleinen Inseln im Südwesten Lomboks sind (noch) sehr viel weniger touristisch als die drei berühmten Gilis und haben (noch) intakte Korallen. Es ist ein Paradies zum Schnorcheln und die kleinste der Inseln ist wirklich nur ein Sandhaufen mit vier Bäumen, zwei Schaukeln und einer Hütte. Ein wunderbar entspannter und unkomplizierter Tag mit meinen zwei Mädels. Am Abend beschloss ich dann den ortsansässigen Arzt aufzusuchen, da ich seit dem dritten Tag in Indonesien täglich Durchfälle und Krämpfe hatte und ich von der Idee einen widerwärtigen Parasiten zu haben nicht mehr loskam. Der sehr nette und kompetent wirkende junge Arzt nahm Blut- und Stuhlproben und versprach mir die Resultate am nächsten Abend mit mir zu besprechen.

 

Am Donnerstag folgte meine zweite Runde zum imigrasi in Mataram. Diesmal sollten zunächst Fingerabdrücke und ein Foto gemacht und die Gebühren gezahlt werden. Wieder ging es früh los, diesmal gegen 7 Uhr. Nachdem auf dem imigrasi wieder alles problemlos verlief und man mein Gesicht und alle (!) Fingerabdrücke meiner linken und rechten Hand in die Systeme eingespeist hatte, war ich wieder frei. Jedoch nur bis 15 Uhr. Dann durfte ich mein Visum schon abholen, worüber ich sehr froh war. Ich hatte von anderen gehört, die zwei Wochen auf ihr Visum warteten.

Ich machte mich direkt auf den Weg, zwei Wasserfälle anzuschauen. Erst kämpfte ich mich mit meinem Roller über volle Straßen mit hochbeladenen LKWs von denen in unregelmäßigen Abständen und unterschiedlichen Massen Sand und kleine Steine runterfielen. Nicht gerade sehr angenehm, wenn man das alles einatmet und es trotz Schutz durch meine Brille in den Augen landet. Doch schon bald veränderte sich die Umgebung und ich fuhr durch wunderschöne Reisfelder auf einer einsamen kleinen Landstraße. Am Ende dieser Straße wartete nach einer etwas zähen Verhandlung über den Eintrittspreis der Eingang zu den Wasserfällen. Erschöpft vom Fahren, setzte ich mich am Anfang des Wegs an den Rand und betrachtete den Dschungel um mich herum. „Jetzt ein paar Cracker!“ Ich fing an und knusperte mich durch meinen Vorrat an CheeseWaffels (so etwas wie Neapolitaner, aber mit Käsefüllung), als einer der Makaken sich langsam näherte. Da ich schon öfter mit ihnen zu tun hatte, beobachtete ich ihn sehr genau. Aber ich hatte noch Hunger! „Ich bin der Mensch, ich sollte essen können! Ich bin größer und schlauer… ich werde sitzen bleiben und….“.Hektisch stopfte ich meine Waffel in meinen Rucksack und sprang auf, stampfte mit den Füßen und machte mich groß. Innerhalb weniger Sekunden waren circa zehn bis fünfzehn weitere Affen um mich herum und der größte begann mich anzufauchen. Ich machte mich groß, stampfte auf den Boden und ergriff langsam die Flucht. Später bemerkte ich, dass ich dabei meine andere Kekspackung hatte liegen lassen. Sie schaffen es immer wieder! 😉

     

Ich stapfte also durch den Wald Richtung Wasserfall. Es war wunderschön. Da es noch sehr früh war, war ich die einzige (die organisierten Touren kamen circa 1,5 h nach mir an). Beide Wasserfälle waren traumhaft schön und ich war glücklich sie vor dem großen Ansturm gesehen zu haben. Ich machte ein paar Fotos und setzte mich unter einem Baum unter mit Blick auf den Wasserfall. Als sich alles nach und nach füllte, trat ich den Rückweg zu meinem Scooter an. Da ich etwas zu früh in Mataram war um mein Visum abzuholen, ging ich noch auf den einheimischen Markt. Da ich dort die einzige Westlerin war, habe ich mich nicht danach gefühlt Fotos zu machen. Aber es war trotzdem eine spannende Erfahrung und am Ende war ich um eine Mütze und ein paar Turnschuhe reicher. Beim Abholen des Visas klappte wieder alles reibungslos. Beim Rausgehen fragte mich ein Mädchen, ob ich sie mit nach Kuta nehmen könnte. Es war Julie. Trotzdem ich mich wirklich schrecklich dabei fühlte, musste ich ablehnen. Eine Person hinten mitzunehen traute ich mir einfach nicht zu.

 

  

Ach…. die Ergebnisse meiner Untersuchung zeigten, dass ich keinen Parasiten, sondern Salmonellen hatte. Das ich mich über die Diagnose Salmonellen zu haben mal freuen würde hätte ich vorher auch nicht gedacht…

Ich habe hier noch ein paar Eindrücke vom Rest der Zeit, die ich in Kuta verbracht habe. Ich hatte nette Gesellschaft, schöne Strände und Yogakurse am Tag und ein unterhaltsames Leben auf der Straße am Abend. Nach fast zehn Tagen Kuta, fiel es mir schwer, weiterzuziehen, aber auch meine Mitreisenden machten sich auf in andere Richtungen und so bestieg ich das Boot Richtung Komodo.

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