Bootstour nach Komodo- auf zu den Drachen!

Wenn man im Internet über die viertägigen Bootstour nach Komodo recherchiert, begegnen einen entweder begeisterte oder entsetzte Berichte. Ich hatte mich dazu entschlossen, die negativen Berichte zu ignorieren und mich möglichst unvoreingenommen auf vier Tage Schnorcheln, Natur und Meer einzustellen. Sicherheitshalber packte ich trotzdem meine elektronischen Sachen in einen wasserfesten Sack und packte die Mittel gegen Seekrankheit griffbereit in meinen Tagesrucksack. Nachdem ich mich morgens um 7 Uhr in Kuta von Stephi verabschiedet hatte wurde ich mit anderen Touristen zunächst wieder zum Hafen in Lembar gebracht. Mal wieder typisch indonesische Organisation. Irgendwie weiß man nie, wer für was, wann zuständig ist und nach circa zwei Stunden rumhängen, wird man auf einmal ganz hektisch in Gruppen eingeteilt und alles muss superschnell gehen und man stolpert mit offenen Schuhen jemanden hinterher. Irgendwie sortiert sich ,wie durch ein Wunder, alles jedoch immer so, dass man selbst und das eigene Gepäck im gleichen Fahrzeug in die richtige Richtung unterwegs sind. Ich hatte im Lokal in dem wir warteten Julie wieder gesehen, die aber in das andere Boot eingeteilt wurde. Ich hatte eine aufgedrehte Mädelsclique kennengelernt und war guter Dinge. Etwas angeschlagen durch die Antibiotika die ich nehmen musste, suchte ich mir an Deck einen Schlafplatz. Da wir „nur“ 21 Leute auf dem Boot waren, konnte ich mir luxuriöserweise zwei Matratzen sichern, so dass ich zumindest die Chance hatte, einigermaßen bequem zu schlafen. Von den ersten Tagen auf dem Boot, gibt es nicht viel zu berichten. Wir fuhren, mit mal mehr, mal weniger Wellengang an der Küste Sumbawas entlang. Zwischendurch gab es einen wunderschönen Schnorchelstopp am pink beach. Nicht der angeblich pinke Strand, aber die Korallen waren beeindruckend.

Ein etwas skurriler Besuch in einem Dorf war auch Teil des Programms. Wir fuhren so nah es ging an den Strand, mussten dann (wie immer) zum diesem schwimmen. Wir sollten uns aber auf keinen Fall unbedeckt zeigen, da es ein sehr moslemisches Dorf sei. Leider standen zum Empfang eine kleine Gruppe Dorfbewohner da und wir in unseren Bikinis und unsere Kleidung noch im kleinen Beiboot, das sie uns erst später brachte. Als wir uns einigermaßen bedeckt hatten, liefen wir in einer Parade durch das Dorf. Vorbei an Müll und Ziegen gab es für alle ein traditionelles indonesisches Gebäck: Donuts. Nachdem einige gegessen wurden, ich meinen dankend abgelehnt hatte, marschierten wir wieder zurück zum Boot und schwammen zurück zum Boot. Am Strand musste ich noch ein Foto von zwei Jugendlichen aus dem Dorf machen, die stolz auf ihrem Roller posierten. Was für einen Alltag haben diese Menschen, wie wachsen sie auf und wie riesig ist der Zufall, worein wir gerade geboren werden. Einen Stopp weiter schlugen wir uns durch den Dschungel zu einem schönen Wasserfall, der durch uns und eine andere Bootgruppe jedoch komplett überlaufen war. Trotzdem war es nach zwei Tagen nur Salzwasser eine Wohltat etwas Süßwasser an der Haut zu spüren. Nicht so überlaufen, wäre dieser Wasserfall die perfekte Filmkulisse gewesen. Manchmal kommt mir diese wunderschöne Natur in Insdonesien so vor, als könnte sie gar nicht echt sein, so sehr entspricht sie in einigen Momenten meinem Klischeebild vom perfekten Insel- und Dschungelparadies (von den Vulkanen ganz zu schweigen).

 

Am nächsten Morgen der Sonnenaufgang und am Horizont Komodo. Wie viele Reportagen ich schon über Komodo und seine Bewohner gesehen habe weiß ich nicht, ich weiß nur: „ich bin da!“, auch wenn das eher surreal erscheint. Ich sitze lange schweigend mit zwei anderen Reisenden und wir beobachten den Sonnenaufgang. Nach einer Weile wird es heller, die Motoren springen wieder an und es geht weiter, den Drachen entgegen.

 

 

 

Doch heute sollten wir erst noch mehr von der beeindruckenden Landschaft des Nationalparks kennenlernen. Wir hielten in einer Bucht an, schwammen wieder zum Strand, bekamen wieder unsere Sachen und Schuhe mit dem kleinen Boot hinterher gebracht. Das sah nach einem heißen, anstrengenden Aufstieg aus.Vollkommen durchgeschwitzt oben angekommen, wurden wir mit einem unglaublichen Ausblick belohnt. Adler segelten die Steilküste auf und ab, einfach wunderschön (mal wieder).

Aufgeregt und gespannt ankerten wir an diesem Abend direkt vor der Insel der Drachen. „Morgen ist es soweit!“. An diesem Abend fuhren einige noch zu einem Dorf auf Komodo, aber da ich müse von den Antibiotika und vor allem schon satt an Eindrücken für diesen Tag war, blieb ich mit einer kleine Gruppe an Bord. Es war ganz schön, mal ein wenig mehr Ruhe auf dem Boot zu haben. Ein paar Leute quatschten oder lasen, eine Französin und ein Schwede hüpften ins Wasser, wir beobachteten die anderen Boote in der Bucht und warteten darauf, dass der Rest von ihrer Tour vom Dorf wiederkamen, und wir Abendessen bekommen würden. Als sie zurückkamen, bekamen wir aber zunächst einen vollkommen verrückten Kapitän zurück. Er hatte schon die Tage zuvor, immer wieder selbstgebrauten Ricewine und wahrscheinlich auch Arak (einen selbstgebrannten Schnaps, der in Indonesien immer wieder zu Hirnschädigungen und Todesfällen führt) getrunken. Als er von der Tour zurückkam und erfuhr das einige im Wasser gewesen sind, drehte er durch. Er schrie wirres Zeug, schlug gegen die Wände und verfluchte uns alle. Vollkommen überfahren saßen also 21 Touristen auf den Bänken des Mitteldecks und hörten sich die wirren Tiraden des Kapitäns an. Dass wir so nah an den Komodowaranen waren, dass diese schon zum Boot schwimmen können und Leute im Wasser dort angegriffen werden können, hatte uns niemand gesagt. Nach ewigen wirren Debatten, zogen sich alle auf das Oberdeck zurück, obwohl die Crew eine kleine Abschiedsparty mit Musik und Discolicht vorbereitet hatte. Erst nachdem der Kapitän sich verzogen hatte, trauten sich einige zurück aufs untere Deck und es kam noch eine Party zustande. Da ich wieder meine Abendportion Medikamente genommen hatte, war ich zu müde und wollte mir meine Energie sparen, da wir am nächsten Tag den Drachen begegnen sollten.

Früh am nächsten Morgen ging es dann endlich auf die Insel der Drachen. Von drei Guides bewacht, stellten wir uns der Gefahr, die übrigens gar nicht mal so gering ist. Wenn man den Guides glauben kann, kam es dieses Jahr schon zu einem tödlichen Zwischenfall, als ein Tourist sich von der Gruppe löste um ein Selfie mit dem Drachen im Hintergrund zu machen. Die Komodowarane sind circa 3 m lang, wiegen bis zu 70 kg und haben einen todbringenden Bakteriencocktail in ihrem Speichel, der nur sehr schwer behandelbar ist. Außerdem können sie schneller rennen als Menschen, sie können springen, ihre Jungen wohnen auf den Bäumen. Doch nicht nur wenn man auf einen Baum flüchten will ist man nicht sicher, sie können auch schneller und besser schwimmen und tauchen als Menschen. Relativ angespannt stiefelten wir hinter unserem ersten Guide her. Und da! Der erste Drache! Zwischen großen Ästen versteckt liegt er dort, friedlich schlummernd. „Von wegen!“ Die Jagstechnik des Komodowarans ist nämlcih genau diese. Sich als Holz tarnen, vollkommen lethargisch und friedlich wirken, und wenn irgendetwas nah genug herankommt, zuschnappen. Zum Glück hatten wir unsere Guides, die den richtigen Abstand kennen. Bei einem Angriff hätten sie jedoch lediglich lange Holzstäbe mit denen sie sich und uns verteidigen könnten. Doch unser erster Drache blieb friedlich, so dass wir, einen großen Bogen um ihn machend, weiter gingen. Als wir uns über Guide ein „Wooooow! Big one!“ Und da hatte er recht. Ein Prachtexemplar und das mitten auf dem Weg. Nachdem wir ihn fotografierend umrundet hatten, beschloss er auf einmal uns zu folgen. Ganz langsam aber stetig kam er den Hügel herab hinter uns her. Wie in einem Horrorfilm in dem der Mörder sich ganz sicher ist, das Opfer zu erwischen. So schnell wie möglich, ohne ihm den Rücken zuzukehren oder zu rennen, versuchten also 21 Touristen dem Waran zu entkommen. Und … wir haben es geschafft. Voller Adrenalin kamen wir zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour. Dort trafen wir auch eine der Nahrungsquellen der Warane, die heimischen Rehe der Insel. Nach einer Pause bei den Souvenirständen, ging es zur zweiten Insel auf der die Warane leben: Rinca island.

Direkt am Eingang, neben der Küche auf Rinca waren sie dann, eine Ansammlung von sechs ausgewachsenen Waranen auf einen Fleck. Offensichtlich warten sie hier darauf, dass etwas von den Küchenabfällen für sie abfällt. Offiziell werden die Warane nicht mehr gefüttert, aber wir wurden Zeugen davon, wie das Küchenfenster aufging und Reste rausgeschmissen wurden. Da war es plötzlich vorbei mit dem schläfrigen Nebeneinander der Warane und wir wurden Zeugen eines kurzen, aber heftigen Schlagabtauschs zwischen den Waranen.     

Wieder konnte man auch ein bisschen Erleichterung spüren, als sich die Gruppe von dieser Szene entfernte. Im weiteren Dickicht stießen wir dann noch auf diese brütende Waranweibchen. Die Warane legen ihre Eier in Nester (ähnlich zu Krokodilen), die das Weibchen dann bewacht. Nach einer Weile geben sie dieses Bewachen jedoch auf und überlassen die Kleinen ihrem Schicksal. Es kann dann dazukommen, dass sie von ihren älteren Geschwistern oder anderen Artgenossen gefressen werden. Was mich jedoch noch mehr schockiert hat, manchmal kommt die Mutter zu ihrem eigenen Nest zurück und lauert ihren eigenen Babys auf um sie zu fressen. Man kann also sagen, sympathisch sind sie auf keinen Fall, aber ich war sehr beeindruckt und hatte ein bisschen das Gefühl auf der Insel von Jurassic Parc.

 

Zum Abschluss noch ein paar Eindrücke vom Leben auf dem Boot. Die Crew war (bis auf den crazy captain) sehr nett. In der einfachen Küche wurden uns leckere Gerichte zubereitet und das Deck teilten wir alle uns zum schlafen. Da ich zu den glücklichen gehörte, die nicht seekrank wurden, und ich durch meine Antibiotika gut schlafen konnte, fand ich das alles echt entspannen und wunderschön. Vier Tage auf einem Boot, schnorcheln, Sonennauf- und -untergänge, beeindruckende Natur und nette Menschen. Ich gehöre zu denen, die eine tolle Tour von Lombok zu den Drachen hatte. Und jetzt? Jetzt wartete das Abenteuer Flores auf mich!                           

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