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Kuta auf Lombok- anders als sein Namensvetter

Nach den Strapazen am Rinjani fuhr ich nach einer weiteren Nacht in Senggigi nach Kuta, ganz im Süden Lomboks. Kuta Lombok ist wie Kuta Bali ein Surferort, aber viel gemütlicher und ursprünglicher. Da ich mich alleine nicht so richtig an eine Rollertour traute, war ich in den ersten Tagen mit dem Rad unterwegs. Es gibt hier einige bekannte Srtände, an denen es dann vor Strandverkäufern nur so wimmelt, auch wenn die Touristendichte extrem gering ist. Die folgenden Bilder sind von einem Strand zu dem ich mit dem Fahrrad gefahren bin (dafür wird man hier übrigens sehr schräg angeschaut!). Ich hatte Spaß am radeln 🙂 und der Strand war fast komplett leer und wunderschön. Ich kletterte noch auf einen Hügel, von dem aus man eine tolle Sicht auf die umliegende Küste hat.

Hier kann man einen Fischer entdecken, sie laufen einfach mit ihren Körben und Netzen barfuß ins Wasser.

 

Das ist der Strand direkt im Ort. Auch dieser ist sehr groß, wunderschön  und hat kaum Touristen. Allerdings verkaufen hier sehr viele Frauen aus den Sesakdörfern ihre Tücher und alle zwei Minuten versuchen die Männer einen Kokosnüsse und Ananas anzudrehen. Am schlimmsten sind jedoch die Kinder aller Altersstufen, die von morgens bis abends versuchen einen Armbänder und Anhänger zu verkaufen. Das sind immer wieder die Momente in denen einen klar wird, wie priviligiert man allein dadurch ist, dass man in Europa geboren wurde. Manchmal setzten sich die Händler zu einem in den Schatten. Ich habe mich an einem Tag an dem ich mich alleine im Schatten vom Rinjani ausgeruht habe mit einigen Händlern unterhalten und fand es schön mehr als nur die üblichen drei Verkaufssätze mit ihnen zu sprechen.

Dieser Junge war stundenlang am Armbänder verkaufen. Er setzte sich dann in den Schatten zu den Touristen um sich auszuruhen.

Ein schönes Bild, aber hier wirklich eine Plage. Die Hunde laufen in ganzen Rudeln am Strand und an den Straßen herum. Als ich mit dem Fahrrad unterwegs war rannte mir einer knurrend und bellend hinterher, so dass ich inzwischen wirklich etwas Angst vor den Hunden bekommen habe, was ich sehr schade finde.

 

Am dritten Tag kamen zwei Reisegefährtinnen aus Senggigi nach Kuta. Mit Kathleen aus Deutschland unternahmen wir einen Rollerausflug zu etwas entfernteren Stränden. Dort fanden wir einen Strand, an dem wir die einzigen Touristen waren und die Kinder noch im Wasser und am Strand spielten, anstatt Sachen zu verkaufen. Da die Kinder viel Freude beim posieren hatten, entstanden einige schöne Bilder.

Hier sieht man die spielenden Kinder und die Erwachsenen, die mit ihren Fischerkörben losziehen. Ein Einheimischer erzählte uns, dass sie dabei leider über die Korallen laufen, so dass diese hier inzwischen komplett zerstört sind.

Am Abend zurück in Kuta fanden wir noch eine Elektroparty an einem Schiffswrack am Strand. Leider waren wir die einzigen Gäste, so dass wir nach einer halben Stunde wieder gingen. Aber es fühlte sich ein bisschen nach Frankfurt an 😉  nur mit noch abgefahrenerer Kulisse.

Dank der Tatsache, dass mir die Dame bei der Einreise die Verfahrensweise der Visumsverlängerung etwas falsch erklärt hat, werde ich nun mindestens eine weitere Woche hier in Kuta, oder zumindest auf Lombok bleiben müssen. Nachdem ich mich zunächst sehr geärgert habe, da ich die Strände zwar schön finde, mich aber nicht so lange hier aufgehalten hätte, habe ich mich inzwischen an den Gedanken gewöhnt. Vielleicht sollte es so sein. Ich habe mich jetzt für einen einwöchigen Yogakurs abgemeldet und werde jetzt so richtig selbsfindungsmäßig jeden Tag ein paar Stunden Yoga machen und dazwischen gesundes Essen (eben war es ein Schokopancake 😉 ) suchen und mich selbst. Vielleicht sind auch ein paar Ausflüge drin, Immerhin muss ich mindestens dreimal in das eine Stunde entfernte Mataram fahren um meine Visumsverlängerung zu bekommen 🙁

Rinjani- Hart, kalt und wunderschön!

Wo soll ich bei diesem Erlebnis anfangen zu erzählen? Es war auf jeden Fall mit Abstand das Härteste, was ich mir in meiner Freizeit bisher selbst zugemutet habe.

Tag 1 – Morgens um 4.30 Uhr wurden Julia und ich eingesammelt und fuhren zwei Stunden im Slalom um Hunderudel durch die Nacht zum Ausgangspunkt unserer Tour Sembalum Lawang im Norden Lomboks. Unsere Gruppe bestand aus sechs Teilnehmern: ein junges holländisches Päarchen, ein älteres französisches Päarchen und Julia und mir; drei Träger und unser Guide. Gleich jetzt muss ich sagen: aufgrund akuter und anhaltender Überanstrengung habe ich kaum Fotos von diesem Trip. Julia wird mir noch welche von sich zukommen lassen.

Direkt nach dem Trip auf der Ladefläche ging es in schon unerträglicher Hitze mit einem crassen Tempo durch Graslandschaft los. Schon nach fünf Minuten tropfte mir der Schweiß runter. Hätte ich da gewusst was noch kommt, ich weiß nicht, ob ich weiter gegangen wäre. Wir starteten auf 900 m Höhe und sollten in den nächsten Stunden auf 2600 m zum basecamp aufsteigen. Kurz gefasst: es war die Hölle! Ich versuchte irgendwie zu sehen, dass es auch etwas Gutes hat, aber ich rang nur nach Luft. Inzwischen hatte der Nebel die Sonne abgelöst, was das Atmen jedoch nicht erleichterte. Ziemlich schnell wurde klar: ich bin die Langsamste aus der Gruppe. Ich versuchte mit aller Kraft Schritt zu halten, aber ich hatte keine Chance. Das war kein Wandern, das war Wettklettern! Unser Guide blieb irgendwann bei mir und redete mir gut zu, als ich anfing mich über mich selbst zu ärgern, warum ich nicht mehr kann…. Inzwischen war nicht nur mein T-Shirt, sondern auch meine Hose schon vollgeschwitzt. Bis wir das Tagesziel erreichten, sollte mir der Schweiß die Hose bis zur Mitte des Oberschenkels pitschnass getränkt haben. Julia und die junge Holländerin feuerten mich von weiter oben an, was mich wirklch ermutigte. Als ich mit Abstand als Letzte unserer Gruppte oben ankam, war ich am Ende mit Allem. Es waren circa 7 Grad und der Wind war so stark, dass ich innerhalb weniger Minuten vollkommen durchfroren in meinen pitschnassen Kleidern stand und mich nicht mal in der Lage fühlte mich irgendwie zu freuen, es geschafft zu haben. Nachdem ich mich umgezogen hatte, konnte ich zum erstem Mal den unglaublichen Ausblick in den Krater sehen. Hätte ich nicht gewusst, dass ich auf dem Rand eines Vulkans stehe, hätte ich gedacht, ich schaue von einem Berg in ein Tal mit See und auf der anderen Seite auf andere Berge. Ich hatte die Dimensionen dieses Vulkans vollkommen (!) unterschätzt.

Der Ausblick auf den für den nächsten „morgen“ ab zwei Uhr geplanten Aufstieg auf den Gipfel, der über 3700 m hoch und durch eine Gerölllandschaft von uns getrennt war, war unglaublich beeindruckend, wunderschön und unermesslich beängstigend.  Die erste Nacht auf dem Kraterrand des Rinjani lässt sich nur mit eisekalt und windig bezeichnen. Sofort nach Sonnenuntergang waren alle ins Bett gegangen. da es ohne die Sonne unerträglich kalt war. egal wie viel man anzog.

Tag 2 – 1.30 Uhr, der Weckruf zum Gipfelsturm. In der Nacht war ich unzählige Male aufgewacht, entweder weil ein Körperteil mangels Polsterung oder aufgrund der Kälte so schmerzte. War das wirklich eine gute Idee? Wir hörten draußen den Wund in den Baumgipfeln toben. Nicht nur ich war unsicher. Auch Julia schwankte bis kurz vorm Losgehen, ob sie es wirklich wagen wollte. Aus dem Zelt gekommen erfuhren wir, dass das französische Päarchen nicht mitgehen würde. Es wurde auch klar, wenn wir erst da oben sind, müssen wir zusammen bleiben und schaffz einer es nicht, müssen alle zurück, Meine Nervosität stieg weiter. Nach den ersten fünf Minuten wurde klar, der Wind pustet mir die Lungen kaputt. Ich schnappe nach Luft und möchte abbrechen: „Noch kann ich alleine zurücklaufen!“ Aber Julia lässt nicht zu, dass ich aufgebe. Die Holländerin meint, auch sie habe Probleme, ihr sei außerdem schlecht. „Okay, es ist nicht nur für mich schon schwer!“ Wir kämpfen uns weiter und weiter, das Atmen fällt immer schwerer. Eine Stunde waren wir schon unterwegs und noch immer war noch nicht mal die Kante mit dem Geröll erreicht. Und da sollte es erst richtig anstrengend werden. Wir hatten schon ein paarmal anhalten müssen, da es der Holländerin schlechter ging. Plötzlich schaltet sie ihre Kopflampe aus und geht zur Seite. Und wirklich, sie musste sich übergeben. Sie versuchte trotzdem noch weiter zu gehen, doch es hatte keinen Sinn. Julia hatte Bedenken wegen des Winds und mir war auch schon schlecht vor Überanstrengung. Geschlossen kehrten wir Frauen um und machten uns durch die Nacht auf den einstündigen Rückweg zum Camp. Da wir noch nicht an der oberen Kante angekommen waren, konnte der Holländer mit dem Guide weitergehen. Niedergeschlagen und abgekämpft legten wir uns wieder in unser Zelt zum Frieren. „Morgen gehe ich mit einer von den Zwei-Tage-Touren runter von hier! Ich bin einfach nicht für so etwas gemacht!“

Circa 6.15 Uhr. Sonnenaufgang! Zwar nicht wie geplant vom Gipfel aus, aber trotzdem. Erst hatte ich den Impuls einfach zu ignorieren, dass ich mir das anschauen sollte, machte es dann trotzdem. Ich dachte nichts könnte mich für diese Qualen entschädigen. Ich glaube mein Gesicht auf dem Bild nach Sonnenaufgang beweist, dass es sehr wohl möglich war! 🙂 „Klar mache ich weiter!“. So schnell nochmal ins Zelt bevor die Gipfelstürmer kommen. Circa 8 Uhr. Beim dritten aufwachen an diesem Tag erfahre ich, dass die Bedingungen wegen des Winds so schwierig waren, dass nur wenige überhaupt auf den Gipfel gekommen waren und sogar unser Guide nicht hochgegangen ist. Das versöhnt mich jetzt doch sehr. Ich hatte es wirklich sehr gewollt, aber mehr konnte ich nicht geben und es war schwerer als es sowieso schon ist. Und ich hatte jetzt auch eine Erklärung für meine unglaubliche Unfitness im Vergleich zum Rest der Gruppe. An diesem Morgen hatte sich mein Durchfall wieder gemeldet. Ich hatte eigentlich gedacht, dass es sich stabilisiert hat, aber dirch die Anstrengung war mein Körper wieder zurückgefallen. Also, Immodium rein und runter zum Kratersee auf 2000 m Höhe. Diese Etappe geht schon wesentlich besser als die erste vom Tag zuvor. Trotzdem ist es anstrengend. Die Landschaft im Krater ist wie aus einem Fantasyfilm und wirkt komplett unrealistisch. Immer wieder ziehen schnell Nebelwolken auf oder fällen vom Gipfel ins Innere des Kraters. Der See sebst wirkt ebenfalls unwirklich. Ein paar Leute wagen sich in das kalte Wasser. Aus dem See heraus ragt ein weiterer Krater. Man sieht noch die Spuren seines letzten Ausbruchs 2015. Wir bekommen Mittagsessen gekocht. Ausgerechnet jetzt: Hühnerbrühe mit Gemüse. Ich kann mich nicht überwinden. Bei dem Gedanken zu ignorieren was da auf meinem Löffel ist, dreht sich mein Magen noch mehr um, als er es sowieso schon tut. Also esse ich trockenen Reis. Besser als nichts und ich brauche Energie, denn nach den heißen Quellen, folgt der Wiederaufstieg auf der anderen Seite des Kraterrands, wieder hoch auf über 2600 m. Wider meinen Erwartungen, bin ich diesmal nicht so fertig wie am ersten Tag. Noch immer gehöre ich zu den langsamsten, aber ich schaffe es ohne größere Atemnot die Höhe zu erreichen. Die Ausblicke, die sich beim Zurückschauen in den Krater zeigen sind so schön, dass ich schon anfange, die Qualen zu vergessen, die mir der Rinjani schon bereitet hat. Als wir den Kraterrand auf der anderen Seite erreichen sehe ich den überwältigensten Ausblick, den ich mir hätte erträumen können. Wir befinden uns über der Wolkendecke, die Sonne wird bald untergehen und das Licht beginnt sich schon rot zu verfärben. Richtung Sonne sieht man deutlich den „Großen“ von Bali, den Agung und den kleineren Batur. Wir suchen unser Zeltlager, dass die Träger schon vorbereitet haben. Von unserem Zelt aus blicken wir auch nach dem Sonnenuntergang noch auf die Silhouetten der Vulkane auf der Nachbarinsel Bali. Das auch diese Nacht kein Vergnügen werden sollte, merken wir schnell. Der Wind war so stark, dass unser kleines Zelt immer wieder auf uns gedrückt wird. Überdreht und übermüdet schaffen wir es irgendwann trotzdem etwas Schlaf zu finden, auch wenn Julia unser Außenzelt ins Innenzelt ziehen muss, um es an ihrem Rucksack festzubinden, damit es nicht wegfliegt. Eine kalte, extrem stürmische Nacht auf über 2600 m.

Tag 3 – Der Tag begann damit, dass sich unser Außenzelt komplett verabschiedete, so dass Julia und ich nur noch mit unserem Innenzelt im Schlafsack auf dem Rinjani hockten und unsere Banana Pancake futterten. Jetzt geht es „nur noch“ fünf Stunden runter. Oder waren es doch sechs? Egal, immer mutig voran. Leider meldet sich mein Bauch beim Abstieg immer mal wieder mit leichten Krämpfen und nach den ersten 1,5 Stunden kommt wieder die Atemnot. Zuerst müssen wir etwas klettern, dann rutschten wir circa eine Stunde auf feinem Staub, doch bald ging es auf einem Pfad auf Wurzelstufen durch den tropischen Wald. Einfach schön! Da ich mich inzwischen mit meinem Tempo genau in der Mitte befand, genoss ich es teilweise über eine halbe Stunde, ganz allein in diesem fremden Wald zu sein. Einige Affen begegneten uns und zwischendurch wurden wir von rießigen Mutantenbienen gejagt. Ich will nicht verheimlichen. Es war noch immer anstrengend und das sich der Muskelkater vom ersten Tag meldete nicht gerade hilfreich. aber ich war froh, das Abenteuer Rinjani gewagt zu haben. Nachdem wir komplett verdreckt und stinkend in Autos gepackt wurden. um zum jeweiligen Punkt gebracht zu werden, veranschiedete ich mich schweren Herzens von Julia. Wir hoffen, dass sich unsere Reisewege nochmal kreuzen!

Nochmal sorry, aber ich habe vom zweiten und dritten Tag kein einziges Foto!

Lombok- die neue Insel, weiter gen Osten

Nach dem perfekten Abschluss einer tollen Zeit in Amed, beschloss ich am nächsten Morgen die Fähre nach Lombok zu nehmen. Ich wurde also mit einer Gruppe anderer Touristen in ein Speedboat gepackt. Als wir losgefahren waren hielten wir nochmal an und ganz in balinesischer Art, wurden dann noch vier Fuhren Touristen mit einem kleinen Boot zum Speedboat. Die Fahrt mit dem Speedboat ist nicht wirklich das angenehmste. Einigen Leuten wurde schlecht, ich überstand es mit einiger Anstrengung. Leider stiegen alle anderen an den berühmten Gilis aus, also kam ich alleine am Hafen in Lombok an (Bangsal). Ich schaffte es nach einem kleinen Marsch raus aus dem Hafenviertel einen eingermaßen angemessenen Preis für die Fahrt nach Sengiggi zu bekommen.

Sengiggi war schnell gesehen. Ein Strand mit vielen Strandverkäufern, eine Hauptstraße. In unserer Straße noch ein bisschen street art.

Beim Mittagessen lernte ich Julia kennen, eine quirlige Österreicherin. Wir stellten fest, dass wir im gleichen Hostel wohnen. Zurück im Hostel lernten wir noch zwei deutsche Mädels kennen:

Hanna und Kathleen. Zusammen gingen wir zum Sonnenuntergang am Strand und beschlossen, am nächsten Tag nach Mataram zu fahren, um die Feiern zum Unabhängigkeitstag zu sehen.

Leider hatte jeder andere Informationen, wo und wann und was überhaupt an Feiern ist. Am Ende liefen wir den ganzen Tag durch die Stadt, machten eine unbeabsichtige Besichtigung der rießigen Moschee (mit Rolltreppen) um letztendlich eine Fahnenzeremonie zu finden, die wir vom Zaun aus sehen konnten. Irgendwie hatten wir eine andere Vorstellung wie die Indonesier ihre Unabhängigkeit feiern würden. Trotz oder vielleicht wegen der Strapazen, hatten wir einen unglaublich lustigen Tag mit unserer Mädelstruppe.

 

Am darauffolgenden Tag legte ich eine Ruheeinheit ein, um Banksachen zu regeln (war ein blödes Gefühl als Visa und Mastercard mir kein Geld aus dem Automaten holten) und mich für die frisch gebuchte Rinjani-Tour auszuruhen. Julia hatte sich der Idee spontan angeschlossen. Am nächsten Tag sollte es losgehen um in drei Tagen den höchsten Vulkan Lomboks und den zweithöchsten ganz Indonesiens zu besteigen. Diese Fakten hätten eigentlich Warnung genug sein müssen! 😉

Amed – Schnorcheln, Roller fahren und wieder schnorcheln

Der erste Morgen in meinem neu gefundenen Lieblingsort startete nicht so wunderschön, wie der erste geendet hat. 7.30 Uhr im 12er dorm, im Bett eine Nische weiter raschelt es und hört nicht auf. Ich versuche wieder einzuschlafen, wache jedoch einige Minuten später wieder auf, da ich aufgeregtes immer lauter werdendes Geflüster hörte. Als ich das Wort „bed bugs“ hörte, war es vorbei mit dem Versuch zu schlafen. Diejenigen, die schonmal mit ihnen in Verbindung gekommen sind wissen, was das bedeutet. Ich stehe also sofort neben meinem Bett, packe meine Sachen so schnell es geht zusammen, alles aus Stoff in einen Plastiksack. Als ich die Sachen vor die Tür rette, treffe ich auf die zerbissene Bettnachbarin. Aufgeregt zeigt sie mir ihren zerbissenen Arm und Rücken. „Oh shit.. die Arme!“ So lernte ich also Rachel kennen. Doch zu ihr später. Nachdem wir unsere Sachen gesichert hatten und klargestellt hatten, dass vom Hostel aus alles auf 60 Grad gewaschen werden muss, wurde das Zimmer erstmal unter Giftspray gesetzt. Alle Matrazen wurden rausgeschleppt und man konnte nicht mehr durch den Raum, ohne einen Hustenanfall zu bekommen.

Da uns nichts mehr im Hostel hielt, verabschiedete ich Laura noch mit einem fruit jiuce am Strand, bevor sie weiter zu den Gilis fuhr. Ich hatte mich schon beim Frühstück mit Hanna, einer Irin, zum Sonnenuntergang verabredet. Ich hatte den ganzen Tag alleine für mich und mein Schnorchelset eingeplant! Und es war traumhaft! Ich ging an verschiedenen Stellen ins Wasser und war Gast in dieser unglaublichen Unterwasserwelt, die bei Amed einfach so bunt und lebendig ist. Wieder einmal fand ich es unfassbar, wie schön es ist. Leider habe ich keine Fotos davon machen können. Der Tag war unglaublich entspannend. Direkt vom Strand ging ich wieder hoch zum Sonnenuntergangspunkt, wo ich Rachel wieder traf. Sie hatte mit Hanna schon einen der schönsten Plätze für den Sonnenuntergang gesichert und wir hatten eine schöne Zeit. Dort war auch einer der Mitarbeiter vom Hostel. Hanna und Rachel hatten sich schon mit ihm angefreundet und wir verabredeten uns für den nächsten Tag für den Sonnenaufgang. Es war wieder mal der Agung, der dabei beeindruckend aus dem Dunkeln auftauchte und im roten Licht leuchtete.

 

 

 

 

Nachdem wir Hanna verabschiedet hatten und noch eine Runde geschlafen hatten, machten Rachel und ich uns auf zu einer Rollertour durch die Umgebung. Kleine leere Straßen durch grüne Landschaften und kleine Dörfer. Auf dem Weg nahmen wir noch zwei Wassertempel und einen Schnorchelspot mit, bei dem man ein altes Schiffswrack sehen konnte. Nach einem weiteren Sonnenuntergang und Essen am Strand mit Gitarrenbegleitung, war das Konzert in unserem Hostel der perfekte Abschluss für meinen bisher schönsten Stopp, Amed. 

 

Amed- die schwarzen Strände des Agung

Nach unserer Horrortour mit den Versuch günstig zum Besakih zu kommen, war es nach Amed auf einmal ganz einfach. Privat Bemo, fairer Preis und auf zu den schwarzen Stränden.

Sofort nach der Ankunft war klar: Hier ist es wunderschön! Unsere Unterkunft mit dem 12er dorm ein Traum von einer Reggaebar in der überall Hasen frei herumlaufen. Aber das schönste: Der über allem trohnende Agung. Dieser beeindruckende Vulkan. Die Berichte über Trekkingtouren zu dessen Gipfel waren leider mehr als abschreckend, deshalb werde ich ihm dieses mal wohl nicht näher kommen. (Laura und ich haben den Plan gefasst bei ihrem Vater in der Schweiz ins Bergsteigerbootcamp zu gehen und in vier Jahren wieder dem Agung zu begegnen. 😉 ) Wir haben einfach im Schatten am Strand gelegen und haben uns an der Ruhe, dem klaren Wasser und dem unglaublichen Ausblick erfreut.

 

Abends haben wir in dieser unglaublichen Kulisse einen der beeindruckensten Sonnenuntergänge gehabt, den ich je erleben durfte. Die Bilder können leider nicht mal annähernd zeigen, wie unglaublich schön dieses Erlebnis war!

Nachtrag Padangbai mit dem Ausflug zum Besakih

Nachdem ich mich nach einem zwangweisen Wechsel des Hostels durch enge Gassen einen Berg hochgequält hatte, verschlief ich erstmal einen ganzen Tag.

Das war wirklich gut, denn mein Mitbringsel aus Deutschland, die doofe Erkältung, die durch stundenlanges Fliegen und die blöde Aircondition wiedergekehrt war, wütete mit stechenden Schmerzen bei jeder Bewegung. Morgens hatte ich in der Unterkunft kurz Laura kennengelernt, eine nette Schweizerin. Abends quälte ich mich mit meinen Kopfschmerzen, leeren Magen und einer strickenden Neuseeländerin namens Isabelle den Berg runter zum Abendessen um Laura zu treffen. Das war ein wirklich ereignisloser Tag. Aber: ich habe Laura kennengelernt!

Hier mein heilsamer Ausblick von meinem Wohnzimmer im Lemonhouse.

Mit ihr verabredete ich mich am nächsten Tag um zum circa eine Stunde entfernten „Muttertempel“ der Hinduisten auf Bali zu fahren, den Besakih. Da Padangbai nicht wirklich eine Touristenhochburg ist, gab es keine organisierten Touren in einer Gruppe. Aber 250.000 Rupiah für ein privat car für uns beide. Nein! Wir schlugen uns also mit bemos durch (kleine Autos mit einer geschlossenen Ladefläche mit kleinen Bänken, die als so etwas wie öffentliche Busse fungieren). Aber erst eine Teilstrecke im privat bemo und dann wurde das öffentliche, was wir im nächsten Ort zufällig am Straßenrand anhielten plötzlich zum special bemo, natürlich mit einem special Preis. Am Ende zahlten wir für eine wesentlich ungemptlichere Fahrt ungefähr das gleiche, aber es war eine lustige Fahrt. Der Tempel war leider nur ok. Ich glaube jedoch, dass das am echt bescheidenen Wetter lag. Leider war die erhoffte Fernsicht nicht vorhanden und auch der größte Vulkan Balis, der Agung versteckte sich hinter Wolken. Beeindruckend war hingegen, wie aktiv der Tempel genutzt wird. Wir waren zuerst der Überzeugung, dass ein Feiertag sein müsse, erfuhren aber, dass es dort jeden Tag von hinduistischen Gläubigen überfüllt ist. Der Besakih scheint so etwas wie das Rom Balis zu sein.

Nachdem wir das Tempelareal erkundet hatten, begann eine hoffnungslose Suche für eine Fahrtmöglichkeit zurück. Bemos? „Bemo? Only in the morning!“ Mist.Öffentliche Taxis: Fehlanzeige. Also begannen wir andere Touristen nach einer Möglichkeit zu fragen, dass sie uns in ihren Autos mit Fahrer mitnehmen können. Nach über einer Stunde ließen wir uns auf erneute Verhandlungen für einen privat car ein. „500.000 Rupiah!“ Oh mann… Am Ende wurden wir auf eine kleine Vorderbank zusammengequetscht und sicher, wenn auch komplett verschwitzt und verbogen zurück nach Padangbai gebracht. Das wir dabei über eine Stunde in einer Parade von Schulkindern feststeckten machte sie Sache nicht angenehmer, aber umso unterhaltsamer! Diese Fahrt werden Laura und ich sicher nicht vergessen. Anstatt wie geplant gegen 12 Uhr, kamen wir um 17 Uhr wieder im Lemonhouse an, so dass all unsere anderen Pläne einem gemütlichen Abendessen wichen. 

Padangbai

Heute bin ich endlich dem hektischen Kuta enflohen und in das verschlafene Padangbai gekommen. Hier gibt es nicht viel, aber es ist schöner und ruhiger, was auch mir hilft zur Ruhe zu kommen. Ich habe mich zu dem white sand beach durchgeschlagen.

Der Weg war sehr abenteuerlich.

Der Strand sehr schön, mit sehr wilden Wellen.

Ja, ich weiß, das ist ein Selfie. Ich entschuldige mich dafür! Aber meine Kamera wäre fast einen Felsen heruntergestürzt, als ich versucht habe ein schöneres Bild mt Selbstauslöser zu machen. So seht ihr mich auch mal…

Ansonsten habe ich heute endlich in Gesellschaft gegessen. Fünf aus dem 10er Zimmer haben sich zum Abendessen zusammengetan. Das war wirklich schön. Leider fahren morgen alle in andere Richtungen weiter und ich blebe noch zwei Tage hier.

Ich werde euch jetzt nicht jeden Tag schreiben, keine Angst, aber es war für mich sehr aufregend und ich hatte das große Bedürfnis euch teilhaben zu lassen. Müde bin ich, geh zur Ruhe.

Tanah Lot – Hindutempel im Meer

Nachdem ich mir heute ganz fest vorgenommen hatte nichts zu machen außer zu recherchieren und zu essen, packte es mich am Nachmittag dann doch und ich machte mich auf zu einer der Touristenattraktionen in Südbali, dem Tanah Lot.

Ein „Freund“ vom Hotelbesitzer bot sich als Fahrer an. Mit dem Roller…. Gut, dann machen wir den harten Einstieg an den ersten zwei Tagen. Die Verkehrsregeln hier zu verstehen ist unmöglich. Oft wird bei verstopfter Straße kurzerhand der Gehsteig zur Rollerspur, auf der einem jedoch, außer natürlich der Fußgänger, andere Rollerfahrer entgegenkommen. Auf dem Weg zum Tempel gab es einige Momente, in denen Fotos (solche die es sonst in der Achterbahn gibt), mit extrem ausdrucksstarken „Lisas-Emotionen-bei-einer-Rollerfahrt-im-indonesischen-Stil“-Grimassen entstanden wären. Ich war jedoch zu sehr mit Festklammern am Roller beschäftigt um irgendein Beweisfoto dieser Tour zu machen. Als ich dachte: „das war vielleicht eine gefährliche Idee“ fiel mir auf der Kreuzung ein Bild auf, aufgrund dessen ich mich bei meinem letzten Indonesienaufenthalt entschlossen hatte, dass es nicht so unsicher sein kann, wie es sich für meine deutschen Sicherheitsempfindungsnerven anfühlt. Ein circa neunjähriger Junge, der mit seinem etwas jüngeren Bruder auf dem Roller mitten durch das Chaos stürmte. Die Menschen hier wachsen wirklich mit dem Roller am HIntern auf. Bevor Sie überhaupt auf dem Sitz passen, fahren sie den Roller schon im Stehen. Die können das! Beim Tempel angekommen versuche ich mit meiner zugekrampften Hand meinen Geldbeutel herauszuholen, was mir nur schwer gelingt.

Und da sind sie. Die angekündigten Massen und Souvenirbudenreihen. Ich bin genervt. Und hier soll ich jetzt zwei Stunden mit der Masse um den kleinen Tempel kreisen bis die Sonne untergeht? Und es wirkt wirklich so, als wäre der kleine Tempel eine Festung, die den wogenden Feindesmassen noch trotz. Und ich bin eine aus dieser Masse! Selfies, Posing und sogar eine Drohne für die perfekte Selbstdarstellung.

       Was mache ich hier eigentlich. Ich verziehe mich in den Schatten und beobachte wie Minikrebse Minimuscheln als Häuser umhertragen, konzentriere mich auf die beeindruckende Landschaft

Nach einer halben Stunde gewinne ich den Abstand, den ich brauchte, um den eigentlichen Ort wahrzunehmen. Wieder stellte sich heraus, dass es manchmal besser ist, länger zu bleiben, als man es vom ersten Moment her denken würde. Denn, als ich meine Nische auf einem etwas entfernteren Felsen gefunden hatte, fasste mich die Faszination des Ortes, wie sich das Licht veränderte und die Fischer ungestört der Massen ihrer Arbeit nachgingen.

Anstatt Selfies einfach der Versuch ein bisschen einzufangen, was man Schönes hier sehen kann.

Auf der Heimfahrt mit dem Roller durch den verrückten Verkehr, spüre ich auf einmal, dass mich das alles hier sehr glücklich macht (auch wenn es vielleicht nicht immer so klingt) und dass diese zwei Tage mir vorkommen, als seien es zwei Wochen. Ich kann es kaum erwarten weiter zu fahren und mehr zu entdecken.

Mein Recherchevormittag hat übrigens ergeben, dass ich mich morgen vormittag in den Osten Balis begeben werde, nach Padangbai. Ich hoffe da auf ruhigere Zeiten und passendere Gesellschaft für mich. Immerhin werde ich in einem 10er Schlafraum starten, da muss doch jemand dabei sein. 😉

 

P.S.: Die Kakerlakenfamilie ist übrigens sehr hartnäckig dabei, das Bad gegen mich zu verteidigen. Aber ich lasse mich nicht vertreiben. Nach Runde eins und zwei in der ersten Nacht, folgte Runde drei gestern vor dem Schlafengehen und Runde vier gerade eben, als ich so dreist und mich duschen wollte 😉 Mal sehen wer jetzt alles so in meinem Bad ist…..

Kuta

Dann schaue ich mir nach dieser erholsamen Nacht mal Kuta an.

Die Vorurteile sind klar: viele besoffene Australier, zu tun gibt es nichts außer Shoppen, am Strand sein, surfen und saufen. Und das stimmt. Der Strand ist wunderschön, aber komplett voll mit meistens sehr simpel gestrickten Australiern besiedelt. Der Effekt ist dann natürlich, dass es auch viele Händler gibt, die aufdringlicher sind, als ich es von Indonesien gewohnt war.

Hier ein paar Eindrücke.

 

Ich hatte nach dem Eingesperrtsein in drei Flugzeugen viel Bewegungsdrang, was zu einem insgesamt fast vierstündigen Strandspaziergang führte, dessen weitester Punkt ein kleiner Hindutempel war, von dem ich zunächst etwas enttäuscht, nachdem ich eine Weile dort ausgeruht hatte jedoch fasziniert war. In der Zeit waren einige Balinesen zur Opfergabe und zum Gebet gekommen und die Atmosphäre war unglaublich beruhigend und friedlich, so dass ich fast eine Stunde im Schatten sitzen blieb um das zu genießen.

 

Trotz vieler negativer Nebenschauplätze, der Strand und darauf stundenlang spazieren zu gehen war wunderschön!